Workshops

DO 03|07 | 10:00 - 17:00

Sascha Pohflepp / Tilman Schüler
Speculative Rocketry

Der Designer und Künstler Sascha Pohflepp und der Luft- und Raumfahrttechniker Tilman Schüler erinnern gemeinsam daran, dass Mondfahrt und Raketentechnik zuerst in den Fiktionen des Film (Fritz Lang) und den Phantasmen der Literatur (Jules Vernes) entstanden sind. Sie erinnern allerdings auch daran, dass solche Träume kurz darauf (und zum Teil mit Hilfe der gleichen Ingenieure und Bastler, die Fritz Langs Special Effects zum Fliegen und zum Mond brachten) technische Wirklichkeit wurden. In diesem Erfindergeiste zwischen Phantasterei und ‚hard science’ bieten der Künstler und der Ingenieur an, mit ihnen Raketendesgins zu entwerfen und schließlich ein selbstverfertigtes Modell starten zu lassen.

FR 04|07 | 10:03

Cordula Daus | Stephan Thiel
Kissing the Earth Good-Bye: Experimentelle Ortsbestimmungen

In einem kleinen Labor unweit des kalifornischen Silicon Valley tritt am 21. Juli 1973 ein menschlicher Seher an, mit nichts weiterem als mit der Kraft seiner Gedanken ausgerüstet, in ein feindliches Territorium vorzudringen. Geokoordinaten werden zum Ausgangspunkt für seine mentale Reise. In einem geheimen Programm des US-Verteidigungsministeriums werden sog. remote viewer dazu ausgebildet, Militärstandorte in Russland, Flughäfen in Kolumbien oder Berge auf dem Mars zu kartographieren. Parallel zur Entwicklung technischer Medien und globaler Positionsbestimmungssysteme lässt sich eine Geschichte menschlicher Medien, ihrer Psychotechniken und narrativen Wiederaneignung von Welt erzählen. Kurz nach dem Zusammenbruch jener closed-world des Kalten Krieges, entsteht in den frühen Neunziger Jahren das kommerzielle Internet. 1995 zirkulieren erste Geodaten im World Wide Web. Ein Massenmarkt für Navigationssysteme entsteht. Millionen von User tragen im Web 2.0 zu einer Ausweitung der verfügbaren Geoinformationen bei. Mobile Geoapps schaffen Orientierung und rufen zugleich neue Verfolgungsängste auf den Plan…

Der Workshop erprobt anhand konkreter Übungen verschiedene subjektive Strategien der Ortsbestimmung und geopoetischen Aneignung von Räumen. Wo liegen die Tabus, die blinden Flecken und Störfelder heutiger Geoinformationssyssteme? Was passiert, wenn Ortsnamen ihre terrestrischen Referenzen verlieren? Wie einen Ort zum Verschwinden bringen? Wie könnte der Exorzismus eines GPS-Systems funktionieren?

 Der Workshop richtet sich an alle Interessierten, die sich in ihrer Arbeit mit der Kategorie des Raums oder des Räumlichen auseinandersetzen

Bitte 2 Fotografien und Geokoordinaten von Orten, die während des Workshops bearbeitet werden sollen mitbringen

DO 03|07 | 10:03

Hagen Betzwieser
Death Spiral of Reference

Die kosmische Hintergrundstrahlung, das WOW-Signal oder ein neulich in der Hosentasche vergessener 5-Euro-Schein, sie alle wurden durch glückliche Zufälle entdeckt. Beobachtet man den Nachthimmel mit dem bloßen Auge, so kann man im Augenwinkel schwach leuchtende Sterne wahrnehmen, die man frontal betrachtet übersehen würde. Man könnte sich in diesem Workshop ausführlich mit den Mechanismen von Zufall im Wandel der Zeit, der Deutung des WOW-Signals in Bezug auf Foucault oder den theoretischen Einsatzmöglichkeiten von 5 Euro auseinandersetzen. Gerade bei stark themenbelasteten Veranstaltungen werden Pausen häufig zur interessantesten Zeit. Freiräume in denen man das Weite sucht, sich erfrischt oder auch gerne über Dinge fernab des tagesaktuellen Diskurses plaudert. Die Weiterentwicklung dieser Pausen sind im Idealfall längere pausenartige Zustände, in denen man zwanglos durch weitere Freiräume spaziert. Oft entstehen aus diesen Unterbrechungen rhizomartige neue Kausalverkettungen aus denen unvorhersehbare Konstellationen hervorgehen, aus denen wiederum ungeahnt Neues entstehen kann.

Workshop, der nur aus Pausen besteht, zur Förderung des professionellen Dilletantismus und der freien Feldforschung mit praxisnahen Übungen und allgemeiner Theorie.

1. Morgen
„Breakfast Based Research“, Kollektives Frühstück

1. Mittag
„Newton Napping“, Radtour, Picknick, Mittagsschlaf

1. Abend
„Applied Scotish Enlightenment“, Grillen und Sternbeobachtung an einem signifikanten Ort

DO 03|07 | 10:00 - 15:00

Paul Feigefeld
Mathematische Modelle und technische Medien in zeitgenössischer spekulativer Philosophie

Die zeitgenössische Philosophie versucht sich zunehmend an einem Denken des Äußeren, der Dinge, des radikal Kontingenten oder unvermittelt Wirklichen (über das aufgrund seiner Unerreichbarkeit durch menschliche Wahrnehmung und Erfahrung eben notwendig spekuliert werden muss). Sie verspricht ein Denken auf dem technisch-wissenschaftlichen Stand der Zeit, dass den Menschen nicht länger als seinen Träger, Mittelpunkt und Maßstab setzt. Mathematik wird zum Königsweg der Ontologie, Naturwissenschaft Stichwortgeber einer Philosophie des Seins. Allerdings scheinen die neuen Theorien von einer gewissen Technikvergessenheit befallen, die alle Mathematik, Technik und Wissenschaft, die sie informieren zugleich austreibt und ent-historisiert. Der Workshop geht jedoch davon aus, dass die Techniken, Medien und Mathematiken zeitgenössischer Theorie dieselben grundlegend informieren, formieren und formatieren. Badiou ist nicht denkbar ohne Cantor, die ‚Anzestralität’ laut Meillasoux auch eine Frage von Kohlenstoffanalysen und Elie Ayache erkennt den Markt und das Schreiben als Medien der Kontingenz. Um diese Techniken, Medien und Mathematiken soll es in unserem Workshop gehen. Philosophisch gesprochen: Wir wollen gemeinsam Ansätze einer Medienepistemologie zeitgenössischer Ontologie diskutieren, indem wir der Mathematik- und Technikgeschichte spekulativen Denkens nachspüren